4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bienen

Dokumentation der Umstellung des Berufsimkers Honig-Klaus auf Teneriffa, Start 2014

Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » Mi 31. Dez 2014, 20:08

Jahresrückblick der Umstellung auf 4,9er Zellgröße:

Von 30 gebildeten Kleinzellableger haben sich 29 bis jetzt sehr gut entwickelt, einer davon wurde ausgeräubert.
Diese Kleinzellableger stammen alle von meinen Großzellvölkern ab, die ich über die Anfangs beschriebene Vorselektion auf 4,9er Baufähigkeit getestet und danach für die Bildung von Kleinzell-Ableger herangezogen habe.
Sie wurden im Herbst von mir auf einen separaten Kleinzell-Standplatz verbracht auf denen sie sich bis dato gut entwickeln.

Mehr Kleinzell-Ableger waren in diesem Jahr leider nicht machbar, da ich erst spät wegen der geeigneten Mittelwände mit deren Bildung anfangen konnte und der Sommer hier auf der Insel für eine gute Entwicklung leider auch nicht dieses Jahr optimal war.

Von den Großzellvölkern wurde keines umgestellt, da ich einen separaten Weg über kleine Einheiten gehe, diese bauen nach meinen jetzigen Erfahrungen leichter die 4,9er MW aus.

Alle Kleinzell-Ableger wurden nicht mehr behandelt, sowie auch alle meine Zuchtvölker und einen Teil meiner Wirtschaftsvölker.

Gestern kontrolliert ich den Zuchtvölker-Stand - vor ca. 1,5 Jahren wurde dieser von mir mit Großzell-Völkern aus meinem Wirtschaftsbetrieb bestückt, die durch starke HV (hygienisches Verhalten) und die Kahlköpfige Brut auffielen und sich gut entwickelten.
Hier kamen 22 Zuchtvölker zustande, die auch wieder auf einen separaten Stand auf einer großen Biofinca gestellt wurden.
Diese 22 Großzellvölker wurden seit dieser Zeit nicht mehr behandelt.
Von den 22 Zuchtvölkern sind nun 20 noch da, eines hatte keine Königin mehr und wurde aufgelöst, das andere war zu schwach und wurde ausgeräubert.

Alle anderen 20 Zuchtvölker besetzten gestern zwei Zanderbruträume (von denen einer bebrütet wurde) und auch schon ein drittel des Honigraumes. Zeigen alle gut das HV und die Kahlköpfige Brut um sich gegen die Varroa zu wehren.
Sie behielten den kompletten Honig des Spätsommers in der dritten Zarge - was sich als sehr positiv zeigte, denn dadurch waren sie über den hier recht "mageren" Herbst vom Eintrag her gut versorgt.

Meine Großzell-Wirtschaftsvölker bleiben von all den Versuchen erst einmal unangetastet, außer dass ein Teil von ihnen auch nicht mehr gegen die Varroa behandelt werden.

Zur Zeit kann ich noch keinen gravierenden Unterschied hinsichtlich der VT (Varroa-Toleranz) von meinen Großzell-Zucht-Völkern und den Kleinzell-Ablegern sehen, dies wird sich in dem nun kommenden Jahr zeigen.
Sowohl die selektierten Großzell-Zucht-Völker und die Kleinzell-Ableger kommen sehr gut ohne Behandlung mit der Varroa zurecht und dies hängt nach meinen jetzigen Erfahrungen sehr stark von der Genetik der Biene ab.
Vor allem in einer Gegend, in der Brutfreiheit so gut wie nie vorkommt!!! - oder vielleicht gerade deshalb?!
Also Imkerfreunde es bleibt spannend!!!

Noch was Ergänzendes zum Schluß:
Umstellen auf 4,9er werde ich auf alle Fälle, schon alleine wegen der Tracheenmilbe, dies war ja auch mal der ursprüngliche Grund von Lusby`s in Arizona um ihre Völker auf kleine Zellen zu setzen.
Die Varroa halten sowohl meine Großzellvölker als auch Kleinzell-Ableger "kurz", dies zeigen all meine Test´s und Erfahrungen der letzten Jahre mit der schwarzen Biene von hier.

Ansonsten kann ich Euch allen und Euren Bienen ein gutes Überwintern und ein spannendes Neues Jahr wünschen, vor allem das wir weiter Gesund, Wachsam, Kritisch und Vital bleiben.

LG Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Ralf_H » Mi 31. Dez 2014, 22:17

Hallo Klaus,
Herzlichen Dank für Deine ausführliche Schilderung und Gratulation zu den guten Erfolgen hinsichtlich Varroatoleranz.
Ich wünsche Dir und natürlich auch allen anderen hier einen guten Rutsch und ein friedliches und glückliches Neues Jahr, Gesundheit und Erfolg.
Ralf
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Do 1. Jan 2015, 23:59

hallo klaus!

vielen dank für deinen bericht!!!!! :shakehand:

dieses starke auftreten von dem VSH in deinen Völkern, lässt für mich immer mehr den verdacht aufkommen, dass dies eine Eigenschaft der "südlicheren" bienenrassen ist. zur Erinnerung: meine besten völker zeigen nur ein geringes HV, und wenn, dann nur in der drohnenbrut.

interessant, ist es zu wissen, dass die Genetik einen gewissen einfluss auf die VT bei deinen bienen hat. wiederum zur Erinnerung. ich konnte diesbezüglich keinen sichtbaren unterschied feststellen, ausser der Tatsache, dass es eine gewisse LC Genetik gibt, welche mit der Milbe mehr mühe hat. diese ist jedoch in meiner gegend sehr selten.

ich wünsche dir ein gutes 2015, und weiterhin eine gute zusammenarbeit.

lg sulz.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » Di 5. Mai 2015, 02:06

Aktueller Stand meiner Kleinzell-Völker.

Durch den für hier seit Jahrzehnten kältesten Winter kamen die Völker erst sehr spät in die Gänge - bis auf insgesamt zwei Ausfälle gab es bei den Kleinzell-Ablegern/Völkern bis jetzt keine weiteren.

Seit nun gut einem Monat kommt nun genug Nektar und Pollen rein, somit bauen die Kleinzell-Völkchen auch recht gut.
Die letzten Tage konnte ich dadurch endlich Ableger von diesen machen - Königinnen hierfür zog ich von ausgewählten Völkern vor.

Was mir bei den Kleinzellvölkern auffällt ist eine viel spontanere Entwicklung, ich würde fast sagen sprunghafte Entwicklung zu meinen Großzellvölkern im Frühjahr. Dies kommt anscheinend durch das kompaktere Brutnest zustande, da bei jeder Kleinzell-Brutwabe zig hunderte von Bienen mehr schlüpfen als bei einer Großzell-Brutwabe.

Bei den von mir auf VSH und Kahlköpfige-Brut (KKB) selektierten Großzell-Zuchtvölkern, die ebenfalls nicht behandelt wurden gab es keine weiteren Verluste bis Dato - auch diese stehen gut da, auch ohne Behandlung!

Nur bei einem nicht selektierten Großzell-Wirtschaftsvölker-Stand in den Bergen (auf 1000m Höhe) liegen die Verluste über 20%, obwohl dieser im Spätsommer behandelt wurde.

Im Großen und Ganzen kann ich ganz zufrieden sein mit der Entwicklung der Bienenvölker - obwohl durch die Witterung dieses Jahres alles sehr zäh und langsam anfing, haben die Völker (Groß- wie Kleinzell-Völker) jetzt wieder alles wett gemacht und ich werde demnächst von den Völkern schleudern können.

Soweit erst mal - und
LG Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon kenvent123 » Di 5. Mai 2015, 10:33

lieber klaus,
auch ich habe wie du,gleiches beobachten koennen.seit meine bienen auf kleinen zellen sitzen,kommen sie viel schneller in die gaenge.
volker die noch im maerz auf einer zarge waren,sitzen nun schon auf drei.werde also auch aufpassen muessen,dass ich nicht zuviele schwaerme erhalte,ausser es honigt fruehzeitig.
bis bald und LG.
hans
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » Do 31. Dez 2015, 23:09

Jahresrückblick 2015 zu meinem Vergleichstest der 4,9er SC-Völker und der auf HV und VT selektierten LC-Völker:

Heuer gehen beide Testgruppen ins dritte Jahr der Nichtbehandlung dieser Völker gegen die Varroa.

Sowohl der LC-Stand (Großzellstand mit zur Zeit 20 auf HV und VT selektierten Völkern, als auch mein SC-Stand mit zur Zeit 28 SC-Völkern und nochmals 24 SC-Ablegern aus diesem Jahr zeigen keinerlei Probleme mit der Varroa.

Im Vergleich zu beiden Testständen hatte ich auch dieses Jahr meine LC-Wirtschaftsvölker (diese wurden bis zu diesen Zeitpunkt aus wirtschaftlichen Gründen aus den Versuchen rausgehalten) nicht behandelt, mit dem Ergebnis,
dass ich im Herbst (Okt./Nov.) fast 20% durch Varroa verloren habe.

Bei den Wirtschaftsvölkern suche ich weiter nach HV/VT Völkern, dies ist für mich und natürlich auch für die Bienen immer eine „Gradwanderung“ um die genetische Vielfalt meiner Bienenvölker zu erhalten.
Leichter wäre es alle Wirtschaftsvölkern mit schon selektierten Königinnen zu beweiseln (umzuweiseln), hier würde ich jedoch meinen vorhandenen „Genpool“ ziemlich einschränken.

Der Honigertrag in diesem Jahr war durch die Wetterverhältnisse hier zufriedenstellend (das Wetter spielte nicht so richtig mit – im Sommer gab es einen richtigen Kälteeinbruch bei uns).
Den höchsten Ertrag brachte ein SC-Volk: 2 komplette Zander-Honigzargen und im Spätsommer nochmal eine komplette Zarge für den Eigenbedarf).

Der SC-Völker-Stand bereitete mir in diesem Jahr viel Arbeit, die meisten der gebildeten SC-Ableger kamen nicht über die zweite Zarge, da sie vorher umweiselten, viele von ihnen schon im 5 Waben-Ableger-Stadium!
Keine der „Anfangs-Orginal-Königinnen“ ist mehr vorhanden, haben doch alle in diesem Jahr umgeweiselt, manchmal sogar noch ein zweites mal.
Erst ab der F3 hat sich das Ganze mehr harmonisiert und nun scheinen die Bienen und die Königinnen mit den 4,9er Zellen einigermaßen eine „Einheit“ zu bilden.

Obwohl die meisten der SC-Völker die 4,9er MW super ausgebaut haben, kam es bei
einsetzen einer Massentracht zum „Vermurksen“ der gegebenen 4,9er MW im Honigraum.
Bekannt ist ja aus der Naturwaben-Imkerei, dass Völker bei Massentrachten gerne größere Zellen für die Honigeinlagerung bauen.
Dies nehmen wir den Bienenvölker wenn wir ihnen nur 4,9er MW geben.
Eine gute Alternative wäre hier im Brutraum 4,9er MW/Waben und im Honigraum 5,4 MW/Waben.
Beutensysteme wie z.B. Dadant mit halbhohen Honigraum-Aufsätzen bieten sich für Kleinzell-Imkereien da förmlich an – Im Brutraum 4,9er Waben und in den halbhohen Honigraum-Zargen dann mit 5,4er MW zu imkern.

Im Großen und Ganzen bin ich aber ganz zufrieden mit meinen SC-Völkern und Ablegern. Mir war ja von Anfang an klar, dass es nicht einfach sein wird mit der Umstellung auf kleine Zellen.
Wichtig ist mir, dass ich ohne Behandlung mit diesen Imkern kann und dass auch der Honigertrag und damit die Wirtschaftlichkeit meiner Imkerei darunter nicht leidet.
Im Vergleich jedoch der SC-Völker mit meinen auf HV und VT selektierten LC-Völker kann ich immer noch nicht klar sagen welche der beiden nun besser für meine Imkerei sind, denn beide kommen ohne Varroa-Behandlung aus, wo hingegen zur Zeit meine selektierten Großzellvölker weniger Arbeit bereiten (wenig Schwarmstimmung, gute Vitalität und Volksstärke, guter Ertrag und keine Varroa-Behandlung mehr!)

Bei den SC-Völkern wird sich 2016 zeigen, wohin die jungen Königinnen aus den Kleinzell-Völkern sich entwickeln, ob sich das Umweiseln wollen nun gelegt (normalisiert!) hat.
Dass sie starke, vitale und Leistungsstarke Völker aufbauen können, haben ein paar von ihnen schon gezeigt.

Noch etwas zu den SC-Völkern, die Tendenz zum „Räubern“ ist bei meinen SC-Völkern wesentluch stärker, als bei meinen LC-Völkern.
Diese Erfahrung hat mich einige Ableger gekostet!!!

Nun bin ich selbst gespannt darauf, was ich im nächsten Jahresrückblick über den Völkervergleich schreiben kann.

Euch allen jedenfalls wünsche ich einen guten Rutsch ins Neue Jahr und weiterhin viel Freude mit euren Bienen und vor allem Gesundheit!

LG Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon kenvent123 » Do 31. Dez 2015, 23:45

lieber klaus,
zuerst vielen dank fuer deinen ausfuehrlichen bericht!
wie ich aus deinen zeilen lesen kann,ist das imkern ohne behandlung vorallem eine erfahrungssache und demzufolge nichts fuer anfaenger.auch muss man am anfang verluste in kauf nehmen koennen.das bedeutet,dass es nur geht,wenn man eine stattliche anzahl von voelker bewirtschaftet.ausserdem sollte man flexibel sein,den was bei dem einen gilt muss nicht unbedingt die regel sein.der glaube ans gelingen und viel geduld ist also unbedingt voraussetzung.
wuensche dir weiterhin viel erfolg mit deinen bienen und viele glueckliche tage im neuen jahr.
GLG. von dem sehr nassen und stuermischen irland,
hans
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » Fr 1. Jan 2016, 23:20

Hallo Hans,

der Erste Schritt zur behandlungsfreien Imkerei ist die eigene Erkenntnis und Notwendigkeit dies zu wollen und nicht vorrangig die Größe einer Imkerei.
Sicher, mit mehr Völkern im "Rücken" hat man mehr Auswahl für eine geeignete Selektion, doch diese kann man auch schon mit wenigen Völkern beginnen, von Vorteil ist aber dann, dass genügend Ableger gebildet werden um eventuelle Ausfälle auszugleichen. Du arbeitest ja schon so mit Deinen Bienen!
Erfahrungen und Wissen über die eigene Imkerei/Biene ect.... bilden da die Grundlage. Auch ich lerne jeden Tag dazu mit denen ich mit meinen Bienen arbeite, auch noch nach all den vielen Jahren und das ist ja gerade einer der Punkte, die ich in der Imkerei so faszinierend finde.

Ich stimme Dir auch voll und ganz zu, wenn Du schreibst dass es viel Geduld (und dazu auch noch viel Zeit) benötigt um Erfolge bei einer behandlungsfreien Imkerei zu erreichen. Bei mir sind es jetzt 10 Jahre Selektion hier bei meinen Bienen und dies zum Glück mit einer Biene, die so gut wie nicht züchterisch beeinflußt wurde, sie war sich die Zeit über selbst überlassen und die Natur hat da die Auslese übernommen, sonst hätte ich sicherlich viel länger dazu gebraucht!
Jedenfalls lebt mein separates Großzell-Versuchsvolk nun schon 5 Jahre ohne eine Behandlung und das macht mir Mut in diese Richtung weiter zu arbeiten.

Dir jedenfalls auch viel Erfolg mit Deinen Bienen (die anscheinend auch eine gute Grundlage mitbringen für eine behandlungsfreie Imkerei!) und hoffentlich bald besseres Wetter für Deine Insel. Seit über 1 Monat haben wir Temperaturen über 20-25°C den Tag über und Nachts sinken sie auf 9°C).

LG Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Sa 2. Jan 2016, 16:32

hallo klaus!

danke für deinen interessanten bericht!!!!!!!!!

fragen hätte ich viele. ich beschränke mich nun aber vorerst mal auf das wichtigste.

kannst du aus deiner Erfahrung, eine Umstellung auf kleine zellen, aus betriebswirtschaftlicher sicht empfehlen?

bei unbehandelten, sowie auch bei behandelten Völkern.

ich möchte das rad nicht neu erfinden, und versuche, die Erfahrung anderer zu nutzen.

lg sulz.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » So 3. Jan 2016, 01:08

Ein gutes Neues Jahr Sulz!

Deine Frage lässt sich von mir nicht einfach mit ja oder nein beantworten!
Im Grunde "fahre" ich mit meiner Imkerei "Dreispurig"!!!

A] mit dem Großteil der Völker (Wirtschaftsvölker), mit denen ich den Lebensunterhalt erwirtschaften muß, gehe ich einen "Mittelweg" um kein finanzielles Risiko einzugehen.
Diese Völker bewirtschafte ich nach Öko-Richtlinien - bis vor einem Jahr habe ich diese noch alle gegen die Varroa
behandelt - nur letztes Jahr im Herbst setzte ich hier mit der Behandlung aus, um zu sehen wie diese noch
nicht selektierten Völker mit der Varroa zurecht kommen - das Ergebnis war, dass ca. 1/3 der Völker gut
ohne eine Behandlung zurecht kamen und ein weiteres 1/3 in der Volksstärke um die Hälfte schrumpfte (durch die Varroa)
und vom letzten 1/3 schaften es ein Teil nicht mit dem Varroadruck klarzukommen - entweder waren sie schon so
schwach oder schon tot - dies waren knapp 20% der Wirtschaftsvölker.
Ich habe diesen Versuch mal gemacht, weil ich letztes Jahr genügend Ableger für den Wirtschaftszweig gemacht
habe, um zu erwartende Ausfälle abzupuffern, sonst wäre das Finanzielle Risiko einfach zu hoch!!!

B) sind meine auf HV selektierten LC-Völker, die sich im Wirtschaftsbetrieb über die Jahre heraus kristallisiert haben,
die nun zwei Jahre ohne Behandlung sich gezeigt und bewiesen haben.

C) sind meine SC-Völker, die nun auch zwei Jahre ohne Behandlung geführt werden und bis jetzt auch noch
keine Probleme mit der Varroa haben.


B und C dienen mir zu Versuchs- und Forschungszwecken um zu sehen, welchen Weg ich in Zukunft mit meiner Imkerei und Betriebsweise einschlagen werde.

Sulz, nach meinen jetzigen Erfahrungen werden sicherlich noch einige Jahre vergehen, bis ich selbst Klarheit darüber haben werde, ob es sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten lohnt seine Imkerei auf kleine Zellen umzustellen, oder ob es ausreicht meine Imkerei mit den von mir schon seit Jahren gut auf HV selektierten LC-Völkern aufzubauen.
Die Wirtschaftsvölker werde ich solange noch behandeln, dies hat mir der jetzige Versuch gezeigt, sonst ist mir das ein zu großes finanzielles Risiko.
B und C werden weiterhin Behandlungsfrei geführt, da sie bei einem Total-Verlust nicht meinen ganzen Imkereibetrieb gefährden.

Eine Umstellung auf kleine Zellen bringt schon eine enorme Mehrarbeit am Anfang mit sich - für kleinere Imkereien fällt dies nicht so ins Gewicht, oder bei einem vollkommenen Neustart mit einer Imkerei ist es am einfachsten und wirtschaftlichsten.
Dies sollte man bedenken wenn man eine Umstellung auf kleine Zellen in Erwägung zieht - Kleinzellvölker sind in sich schon kompakter und in der Entwicklung dadurch sprunghafter, dies kann auch für konventionell arbeitende Imkereien die einen Schwerpunkt auf der Frühtracht haben von wirtschaftlichem Vorteil sein.

Bei mir selbst liegt der Schwerpunkt auf Behandlungsfeiheit und eine für mich noch rentable Imkerei - wobei die Biene im Mittelpunkt steht und ein Höchstertrag aus der Imkerei nicht mehr im Vordergrund - deshalb belasse ich den Völkern soviel eigenen Honig, den sie für eine gute Entwicklung benötigen.
Der Ertrag hat jetzt aber jedes Jahr gereicht, um mit meiner Imkerei noch vernünftig und wirtschaftlich zu existieren!

Wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinen Bienen und in einigen Jahren sind wir wieder ein wenig schlauer - jedenfalls hoffe ich das für uns alle!

LG Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Mo 4. Jan 2016, 09:34

hallo klaus!

danke für deine antwort!!! :shakehand:

wie du schon geschrieben hast: in einigen jahren sind wir wieder schlauer.

lg sulz.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Peter Weber » Mo 4. Jan 2016, 21:05

Klaus
Und das ist das Problem in D.
Der Ertrag reicht einfach nicht aus.
Die Honig und Zufütterbilanz ist 1 x 1. Zumindest im Jahr 2015.
Da ist dann guter Rat teuer.
Aufhalten? Weitermachen ohne Aussicht auf Besserung?
Ich bin etwas ratlos.
Gruß Peter
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Di 5. Jan 2016, 11:57

hallo Peter!

dieses Problem hast du schon mehrmals erwähnt. aber.......................................wo liegt denn nun das Problem????????????????????????????????????????

wofür reicht der ertrag nicht aus?????????????????????

1:1, erachte ich als absolut brauchbar.

-für die Umstellung auf kleine zellen.
-für die behandlungsreie bienenhaltung.
-für eine wirtschaftliche Imkerei. (mit und ohne Behandlung)

auch für eine reine honigfütterung würde es noch reichen. (ist aber nicht zwingend notwendig)

lg sulz.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Christian » Di 5. Jan 2016, 21:33

Servus Sulz,

Hier der link: http://www.summ-summ.ch/bibl/for/Projek ... ltaten.pdf

Möchte zu Eurer Diskussion etwas sagen. (Sulz, wir haben auch schon privat darüber gesprochen)
1.) Aus meiner Sicht und meinen Erfahrungen hier im agrarisch intensiv genutztem Osten Österreichs ist es nicht nur wichtig auf eine Varroatoleranz zu selektieren, sondern das Virenproblem genauso ernst zu nehmen. Ich weiß leider nicht, wie groß hier der erbliche Faktor ist; die Umwelt spielt eine große Rolle. Habe es schon mal erwähnt, aber hier nochmal: Meine Drohnenvölker von der Belegstelle kommen meist Anfang September in die Donauauen zurück. Obwohl genug Varroa, nicht eine Virenbiene!
Nur Bergblütenhonig und massenhaft verschiedenfärbigsten Pollen und absolut keine Landwirtschaft ebendort. Habe heuer erstmals auch im hohen Waldviertel Stände zur Überwinterung stehen gelassen. (abgelegene große Waldgebiete) Der Varroabefall war nach der OS Behandlung im Winter gering und kein Volk mit Viren!! Bei mir im Tullnerfeld - Intensivlandwirtschaft - außer ein paar Ableger tief in der Au haben alle zumindest den DWV !!! Heuer leicht, voriges Jahr tw. extrem --> viele ex. Auch auf meinem Überlebensstand in der Au sind alle Völker vervirt, allerdings unterschiedlich stark
Wenn jemand Arbeiten zur Erblichkeit (Heritabilität) der Virenanfälligkeit findet, bitte unbedingt veröffentlichen!!!

2.)Angesprochen wurde auch die Vitalität der 4,9er und ob es sich auszahlt, alle Völker auf kleinen Zellen zu führen.
Ich kann die Frage nur bejahen. Habe heuer den direkten Vergleich, da ich als Erwerbsimker meine Herbst/Winterverluste 14/15 durch Zukauf von Großzellern (5,4) zumindest teilweise ausgleichen mußte. Extremer Vitalitätsunterschied zu Gunsten der Kleinzeller. Bei den kleinen auch keine Varroaprobleme und wie gesagt heuer auch wenig Viren im Herbst, bei den Großen mittlere bis starke Varroaprobleme und extreme Virenprobleme. Die Kleinen beraubten die geschädigten Großen - sogar bis in den Dezember!!!

3.) Ja Klaus, die Kleinzeller neigen viel mehr zur Räuberei!! Schwache Völker und Ableger mit zu großen Fluglöchern haben meist keine Chance. Ein Problem ist es dann, wenn stark mit Varroa belastete Völker, die in Folge dessen keinen guten Verteidigungssinn mehr haben, ausgeraubt werden. Und das geht bei den Kleinzellern blitzartig.

4.) Wabenabstand: 32mm sind für meine Carnica zu wenig. Habe ihn im Brutbereich auf 33mm eingestellt. Und das ist auch sehr wichtig, da bei kleinerem Abstand die 4,9er MWs besser gebaut werden und die Varroavermehrung offensichtlich mehr gebremst wird, als bei 35mm (Siehe auch meine Versuch hierzu im Archiv). Ich habe bei allen Völkern 33mm im Brutraum und 35mm im Honigraum.

5.)@ Klaus: Bei mir werden die 4,9er MWs am besten und absolut korrekt bei der Akazientracht gebaut. Ich lasse bei dieser Tracht die meisten Völker 4-6 4,9er MWs für die Ablegerbildung ausbauen. Genau die geneteilige Erfahrung von Dir, denn die Akazie ist bei uns die beste "Massentracht". Und hier komm ich gleich zu Punkt

6.) Sowohl die Baufähigkeit, als auch die Varroawiderstandsfähigkeit sind bis jetzt meist standortsabhängig. Völker die in einem Gebiet bereits eine gute Varroatoleranz haben, können in anderen Gebieten völlig versagen!! Habe hier auch eigene Erfahrungen. Es wird sicher auch stark von der Umwelt abhängen: absolut unberührte Gebirgslandschaft bis zu intensiv landwirtschaftlich genutzten "Steppen", es wird auch vom Varroa- und Virendruck aus der Umgebung abhängen. Aber nicht nur: Ich nenne bewußt keine Namen, aber: Bereits vor einigen Jahren gingen von einem Erwerbsimkerkollegen Königinnen mit sehr guter, aber noch nicht 100%iger Varroatoleranz unter anderem nach Finnland in unberührte Natur. Alle versagten kläglich bezüglich Varroa. In der Honigleistung waren sie Spitze. So weit ich informiert bin, braucht dieser Imkerkollege derzeit nur mehr vereinzelt eine AS Behandlung - die meisten Völker brauchen keine Behandlung mehr. Ich selber hatte auch 2 ähnliche Ergebnisse mit anderen Herkünften, von denen behauptet wurde - und in ihrem Herkunftsgebiet sicher zu Recht - sie wären sehr widerstandsfähig gegen Varroa. Bei mir eine Herkunft die "Varroaschleuder" auf meinen Ständen schlechthin und die 2. Herhunft war bestenfalls durchschnittlich. Das war noch vor meiner Kleinzellzeit. Ich bin schon gespannt, wie meine varroawiderstandsfähigen Völker sich in anderen Gebieten gewähren werden.

Meiner Meinung nach werden wir den Durchbruch in der Resistenzforschung erst dann haben, wenn wir die Viren in den Griff bekommen und wenn eine als varroaresistent bezeichnete Herkunft diese Eigenschaft unter verschiedenen Umwelten unter Beweis stellt. Auch denke ich, daß uns die Ergebnisse in der Varroaresistenzforschung von John Harbo und Jeffery Harris deutlich weiterbringen werden. Ich werde ab 2016 alle potentiellen Zucht- und Drohnenvölker zusätzlich nach diesen Kriterien auswählen.
Abschließend möchte ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß die 3 Neonics verboten bleiben. In den nächsten Wochen wird die EU entscheiden.

lg Christian
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Peter Weber » Di 5. Jan 2016, 22:18

Zu 1. ich bin komplett bei 5,1
Zu 2. ich bin bei Behandlungsarm
Zu 3. da harperts, zum es ist viel zu wenig Ertrag, wie gesagt 1x 1, kaum was drüber in diesem Jahr.

Und dann ist da noch das leidige Virenproblem, da bin ich genausogestraft wie Du Christian,
Im Herbst sind mir 4 Völker auf der Strecke geblieben. Die weiteren Leben alle.
Christian ich beneide Dich um Deine Selektionserfahrungen. Du hast ja nun in A keine Erfahrungen Mit der Buckfast.
Ist diese nun eine Bereicherung in D oder nur Einbildung der Imker. Kennst Du die Aristasache. Bringt diese etwas?
In meiner Imkerei mit reichlich 20 V. bin ich manchmal an der Grenze der Kraft für die Bienen.
Irgendwas hat sich in den letzten Jahren extrem zum Ungunsten entwickelt.
Gruß Peter
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Mi 6. Jan 2016, 09:12

hallo zusammen!

@christian. danke für das verlinken :shakehand: ich kann das nicht.

zu punkt 2. 4,9er zellen, sind eine empfehlenswerte Grundlage in der betriebsweise mit mittelwänden. (alternativ: naturbau) der grosse aufwand bei der Umstellung, ist schon ein hinderniss.

die Zukunft wird es zeigen, was sich machen lässt.

lg sulz.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Mi 6. Jan 2016, 20:30

hallo Christian!

was die viren anbelangt, so habe ich nur Erfahrung mit dem DWV.

gen. grosse, sowie gen. kleine bienen, können sich dagegen wehren. mit dem unterschied, dass es bei den grossen deutlich heftiger ist.

inwiefern, nur die grösse als selektions Kriterium reicht, müsste sicher noch abgeklärt werden.

lg sulz.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » Do 7. Jan 2016, 01:24

Hallo zusammen,

@ Christian, der von Dir verlinkte Artikel beschreibt doch genau das, welchen Weg wir hier verfolgen!
Die Bienen von Dir, von Sulz und meine haben alle eine eigene und unterschiedliche "Koexistenz" mit der Varroa
entwickelt.
- Bei Dir mit dem Schwerpunkt auf den kleinen Zellen, bei mir waren es Völker die irgendwann damit anfingen sich der Varroa von alleine zu entledigen, indem sie Brutzellen öffneten um die Vermehrungsgrundlage der Milbe zu nehmen und damit anfingen sich im Herbst massiv gegenseitig zu "entlausen". Die Völker, welche dies am besten taten kommen heute ohne Behandlung gegen die Varroa gut zu recht.
@ Sulz, bei Deinen Bienen ist dieses Verhalten eher wenig vorhanden und hier treten andere "Mechanismen" ein um mit der Varroa zu überleben/ in Koexistenz zu treten, die Grundlage ist hier eine konsequente Nichtbehandlung der Völker.
An unterschiedlichen Standorten dieser Welt haben sich hier ebenfalls zum Teil recht unterschiedliche "Mechanismen" bei unseren Bienen entwickelt, um mit der Varroa zu überleben.
Genau dieses wird auch in diesem Artikel erwähnt!

Und genauso teile ich auch die Ansicht, dass wenn es keine Behandlung unserer Bienen von Anfang an gegeben hätte, wir schon viel früher Bienenvölker die in Koexistenz mit der Varroa leben hätten.
Jedoch gab es wichtige wirtschaftliche Gründe dagegen - alleine schon die Bestäubungsleistung unserer Kulturpflanzen und die Existenz von Erwerbsimkereien.

Im Grunde tun wir ja was gesetzeswidriges, indem wir Völker halten die wir nicht behandeln - vom Gesetz her sind wir verpflichtet alle unsere Bienenvölker gegen die Varroa zu behandeln -" hier beißt sich die Katze in den Schwanz!"
- denn nur wenn wir Völker nicht behandeln, kommen wir zu brauchbaren Selektions- und Zucht-Erfolgen in Bezug auf eine positive Koexistenz zwischen Biene und Milbe.

Aber all dies bringt nicht viel, wenn unsere Umwelt für die Überlebensgrundlage der Bienen immer mehr eingeengt, vergiftet und zerstört wird.

Die Bienen sind wirklich der "Bioindikator" für eine Intakte Umwelt schlecht hin!!!

@ Peter, Du gehörst ja auch noch der Generation an, die das Imkern noch ohne Varroa kennengelernt haben und heute haben wir viel mehr Arbeit mit den Bienen um sie am Leben und vor allem am Überleben zu halten!
Du hast vollkommen Recht: " Es stimmt vieles nicht mehr!"

- und trotzdem machen wir weiter, weil unser "Herz" an den Bienen hängt, die uns immer wieder in ihren Bann ziehen - das ist auch gut so, denn wir brauchen uns Gegenseitig, heute mehr den je!!!

LG Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » So 1. Jan 2017, 01:34

Jahresrückblick 2016 – drei Jahre ohne Behandlung

Das Jahr 2016 begann für die Bienen nicht gerade optimal, es war zu naß und kalt.
Die Bienenverluste hielten sich bis dahin in Grenzen – doch dazu später mehr!

Bei den Bienen tat sich bis März nur wenig, erst der April brachte den Durchbruch mit einer Überfülle an Blüten und schönem Wetter, so daß schon Mitte bis Ende April ein ausgesprochener Schwarmtrieb bei den Völkern herrschte.

Ende April zogen über 10 Tage hinweg jeden Tag ein Schwarm in einen leeren Bienenkasten bei uns am Hause ein.
Den einen Schwarm gerade eingeschlagen, da zog schon der nächste wieder ein – insgesamt waren es dann 10 schöne Schwärme.
So etwas habe ich hier all die Jahre das Erste Mal so erlebt!
Ab Ende Mai normalisierte sich das Ganze wieder.

Königinnenzucht und Ablegerbildung liefen sehr gut.
Den ersten Honig in diesem Jahr konnte ich bei den Küstenvölkern erst im Mai und bei den Völkern in den Bergen erst im Juni schleudern – alles um ca. 1 Monat nach hinten verschoben, zum Glück war der Honigertrag in diesem Jahr wesentlich höher als im vergangenen Jahr.

Der im Herbst 2013 errichtete VT-Versuchsbienenstand mit 22 auf HV selektierte Großzell-Bienenvölker aus meinem gesamten Völkerbestand wurde die komplette Zeit nicht mehr behandelt und auch nicht mehr neu bestückt.
Vorhanden sind jetzt nach gut 3 Jahren noch 11 Großzellvölker – dies ist ein durchschnittlicher Jahresschwund von ca. 3,6 Völker.
Die restlichen 11 verbliebenen Völker haben alle eine gute Stärke und zum Teil noch ihre orginal grün gezeichnete Königin aus dem Jahr 2013.
Die meisten dieser 11 Völker waren all die 3 Jahre ohne Behandlung starke, vitale und auch ertragsreiche Völker.
Von diesen Völkern wurden Ableger gemacht, die auf andere Stände kamen.
Für 2017 werden diese Völker vermehrt für die Zucht herangezogen!
Ein wirkliches Varroa-Problem hatte aber keines dieser Völker, auch von den 11 „verlustigen Völkern“ dort.
Ich kann heute sagen, dass die Hälfte der „Verlustigen Völker“ erst durch PSM-Schäden, die sowohl die Brut als auch die Bienen schädigten – dadurch kam es zu einer tödlichen Schädigung deren Verlauf dann die Varroa bestimmte.
Die andere Hälfte mußte ich leider auflösen, da diese durch den Verlust der Königin, bzw. Jungköniginen auf dem Begattungsflug drohnenbrütig wurden/waren.

Ich verliere hier jedes Jahr wesentlich mehr Königinnen auf dem Begattungsflug wie ich dies in Deutschland einst hatte.
An den Bienenständen habe ich eine große Anzahl an Vögeln, die hier genug und einfaches Fressen finden.
Vielleicht finden sie auch zu wenig anderes Futter in der Gegend.

Mein ebenfalls nicht behandelter Kleinzell-Bienenstand, der im Jahr davor mir Schwierigkeiten machte über die Ablegerstärke hinweg zu kommen, da viele der Kleinzellvölker einfach umweiseln wollten, bzw. haben und dies schon in einem 5 Waben-Ableger-Stadium – hier hat sich dieser „Zustand“ einigermaßen stabilisiert.

Ganz zufrieden bin ich noch nicht, ich denke es wird noch 1-2 Jahre dauern, bis das Ganze „harmonisch“ ist.
Zwei Linien bei meinem Kleinzell-Bienenstand zeigen noch starke Varroa-Probleme, ein paar dieser Kleinzell-Völker sind im Sommer Opfer der Varroa geworden – jedoch haben nicht alle Königinnen dieser beiden Linien „versagt“.
Auf der Selektion dieser VT-Völker liegt mein Haupt-Augenmerk!

Jetzt Anfang Dezember habe ich einige starke Kleinzell-Völker durch PSM verloren.
Ab November werden hier Kartoffeln gesteckt und die Äcker mit Glyphosat und später die Pflanzen mit Insektiziden behandelt.
Hier habe ich Anfang Dezember an einigen Ständen Bienenvölker, bzw. Flugbienen verloren.
Völker mit starken Flugbienen-Verlusten habe ich mit Bienen aus gebildeten Kunstschwärmen verstärkt um zu sehen, ob sie es dann schaffen wieder auf die „eigenen Beine“ zu kommen.
Auf Dauer ist das jedoch keine Lösung – das Bewußtsein muß dahin gehen, dass bienengefährliche Pestizide/Stoffe gänzlich verboten werden.

Denn ohne ein Verbot dieser PSM ist eine effektive VT-Selektion kaum realisierbar!
Viele die eine Selektions- und Zuchtarbeit betreiben verlieren einfach zu viele wertvolle Völker, die Arbeit vieler Jahre ist mit einem Schlag dahin.

Es gibt Bienenvölker die mit der Varroa nicht klar kommen und genauso gibt es Bienenvölker die mit dieser zurecht kommen.
Die Aufgabe für uns Imker besteht darin, diese VT-Völker zu finden, bzw. hier Selektion zu betreiben, was sonst von der Natur aus geschieht.
Wir können diesen „Prozeß“ durch gezielte Selektion und Züchtung beschleunigen.
Jedoch wirken hier die PSM wie ein riesiges „Bremsklotz“ - auch in der natürlichen Selektion der Natur.

Ich verliere auch jedes Jahr immer noch Völker durch die Varroa – bei den selektierten Völkern nur noch wenn PSM oder ein anderes „Ungleichgewicht“ vorhanden ist.
Jedoch die meisten Verluste habe ich durch PSM-Einsatz in der Landwirtschaft.

Die Entscheidung zwischen Groß- und Kleinzellern ist und bleibt weiterhin schwierig.
Kleinzell-Völker haben eine sprunghafte Entwicklung , kompakteres Brutnest.
Großzell-Völker sind nicht ganz so PSM anfällig und der Wassergehalt des Honigs aus Großzell-Völkern liegt 1-2% unter dem von Kleinzell-Völkern.

Eines steht für mich aber absolut fest, eine VT-Selektion und Züchtung unter dem massiven Landwirtschaftlichen Einsatz von bienengefährlichen PSM macht unsere ganze Arbeit zu nichte!

Wünsche allen hier und ihren Bienen eine bessere Perspektive und Zukunft für das kommende und kommenden Jahre!
Klaus
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Sulz » Di 3. Jan 2017, 20:09

danke klaus, für deinen sehr interessanten Jahresbericht.

ich wünsche dir viel glück, Durchhaltevermögen, und die Hoffnung auf eine Reduktion des Einsatzes, der oftmals unnötigen Pflanzenschutzmitteln.

weiterhin alles gute für das 2017.
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Re: 4,9 er MW-Test zur Vorselektion zur Umstellung auf SC-Bi

Beitragvon Honig-Klaus » Do 5. Jan 2017, 01:44

Hallo Sulz,

danke für Deine Wünsche, die ich sicherlich gut gebrauchen kann.
Was die PSM oder auch Pflanzenschutzmittel anbelangt, so sehe ich die Bezeichnung für solche Gifte als Irreführend an, denn sie töten nicht nur "Schädlinge" sondern auch viele Nützlinge und hinzu belasten sie unnötig unser Grundwasser und damit unser Trinkwasser, was ich auf Dauer als eine tickende Bombe sehe.
Die Bienen sind hier wirklich ein sehr guter Bio-Indikator für eine intakte Umwelt!!!

Auch Dir alle guten Wünsche für 2017!
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